Von Oberpfalznetz  |  (cog)  |  14.03.2008  |  Netzcode: 1305430

Sulzbach-Rosenberg

Das Leiden Jesu mit dramatischer Wucht

Kantorei der Christuskirche glänzt mit einer tief bewegenden Aufführung der Johannespassion von Bach

Das Altarbild der Christuskirche zeigt Golgatha mit den drei Kreuzen, dahinter die Stadt Jerusalem - der passende Hintergrund für die Aufführung der "Johannespassion" von Johann Sebastian Bach. Dieses Werk wird oft gespielt, aber kaum je hat man es in einer so erschütternden Aufführung erleben dürfen. Ein ausgezeichneter Chor, großartige Solisten und ein hervorragendes Orchester verbanden sich glücklich zu einem Kunstwerk, das niemanden unberührt ließ.

Dekanatskantor Gerd Hennecke gelang, es, die Zuhörer die Schönheit der Musik auszukosten zu lassen, er ließ sie darüber aber nie vergessen, dass es in der Passion um brutale Folter und das qualvolle Sterben eines Menschen geht. Dramatische Wucht und starke Gefühle kennzeichneten die Aufführung.

Das Weidener Kammerorchester stellte sich ganz in den Dienst der Sänger, immer präzise und dezent. Zuverlässiges Fundament waren Stefanie Rösch (Continuo) und Hermann Bohrer (Orgel), bezaubernd die Flötenbegleitung zu Sopranarie "Ich folge dir gleichfalls" und sehr schön das Bratschensolo im Wechsel mit der Altarie "Es ist vollbracht".

Die Sulzbacher Kantorei war mit 34 Sängern, darunter zwölf Männern, gut besetzt. Bei den Chorälen bot sie warmen Vollklang, als Jerusalemer Volk war der Chor lebendig, spritzig und gemein. Heiner Rösch aus dem Tenor übernahm die kleine Solorolle des Dieners. Die insgesamt großartige Leistung der Kantorei wurde nur durch zwei verpasste Einsätze des Basses getrübt.

Großes Lob gebührt Hennecke für die Wahl der Solisten. Die recht kleinen Frauenpartien waren mit Nicole Rösch (Sopran) und Bhawani Moennsad (Alt) überzeugend besetzt. Röschs klare Stimme kam in ihren beiden Arien und als Magd gut zur Geltung. Moennsad beeindruckte in ihrer Arie "Es ist vollbracht" mit dem souveränen Wechsel zwischen süßesten lyrischen Tönen und einer sehr dramatischen Passage. Ihre Stimme war in den tieferen Lagen nicht sehr stark, aber immer von berückendem Wohlklang.

Bach hat zwei Basssolisten vorgesehen. Der eine singt Arien und die Rolle Jesu, der zweite Bassist hat mit den Rollen des Pilatus und des Petrus die kleinere Partie. Oft werden aus falscher Sparsamkeit beide Basspartien mit einem einzigen Sänger besetzt. Die Dialogstruktur, die die "Johannespassion" über weite Strecken auszeichnet, geht so verloren. Hennecke hatte zwei Bässe verpflichtet.

Michael Wolfrum sang die weniger dankbare kleinere Rolle. Pilatus ist ängstlich und unentschlossen, er fürchtet sich vor dem aufgebrachten Volk, und Petrus, der den Herrn verleugnet, ist schwach. Wolfrums Stimme gefiel, er blieb aber, seinen Rollen entsprechend, etwas blass. Dieter Hölzl gab seinen Jesus mit der Kraft und Sicherheit der vollen Glaubensüberzeugung. Er sang teils sogar auswendig und konnte seine Partie deshalb besonders lebendig gestalten.

Die große Entdeckung des Abends war der Solotenor Jörg Brückner. In den vielen Rezitativen begeisterte er nicht nur mit seiner jungen, lebendigen Stimme, sondern überzeugte auch durch sehr gute Textverständlichkeit. Ausdrucksstark gestaltete er die verschiedenen Stimmungen, ob innig und gefühlvoll in "Allda kreuzigten sie ihn" und "Mein Herz", düster bis zur Gänsehaut in "Da überantwortete er ihn" oder leidenschaftlich wild in "Und siehe da".

Den letzten Chorsatz und den abschließenden Choral sangen die Solisten mit dem Chor. Dieses erschütternde Musikerlebnis hatte Laien und Profis miteinander verbunden. Als der letzte Ton verhallt war, vermochte lange Zeit niemand zu klatschen, dann brach stürmischer Beifall los, es gab Bravorufe und stehende Ovationen.