Von Marielouise Scharf  |  03.04.2007  |  Netzcode: 10994107

Staunen und höchste Bewunderung für "Elias"

Standing Ovations für glanzvolles Oratorium mit Prager Sinfonieorchester Bohemia und Amberger Chorgemeinschaft

Er weiß genau, wie es wirken muss das Oratorium "Elias" von Felix Mendelssohn-Bartholdy: dramatisch und lyrisch zugleich. Ein Fortissimo heller Verzweiflung wechselt mit dem Pianissimo der dumpfen Angst. Bittend und fordernd wendet sich das Volk an den Propheten, den es verehrt und verstößt. Und so fordert auch Berthold Höps, unter dessen Leitung das Oratorium nach Worten des Alten Testaments für Soli, achtstimmigem Chor und Orchester, op 70, am Palmsonntagabend in St. Konrad in Amberg-Ammersricht zur glanzvollen Aufführung kam, von den Solisten, dem Chor und Orchester Konzentration und stimmliche Präsenz.

Mit sicherer Hand

Mit sicherer, energischer Hand dirigiert Berthold Höps seine Truppe. Er schafft es ausgezeichnet, Sänger, Orchester und Solisten zu lenken durchs dramatische Geschehen. Stimmungen auszuloten und umzusetzen ist seine große Stärke. Die Solisten ins individuelle Klangbild einzugliedern, das liegt ihm. Mit dem ausgezeichneten Bass Daniel Blumenschein hat er einen Sänger an der Seite, der die Titelrolle in einer hoch dramatischen Interpretation und mit großem Ausdruck singt. Voller Schönheit gestalten Nancy Gibson und Bhawani Moennsad ihre Sopran- und Altpartien. Frieder Aurich musste die Tenorrolle kurzfristig übernehmen, fügte sich aber bestens in die einheitlich starke Besetzung. Von der Balance und klanglichen Abstimmung her gut geglückt sind die Solistenensembles.

Längst ist das Stück weltweit Standardrepertoire etwa der Chöre von Rundfunkanstalten. Wie nahe der Auftritt der Amberger Chorgemeinschaft an einen fast professionellen Standard herankam, weckte Staunen und höchste Bewunderung. Man hört, wie fleißig hier geprobt worden sein muss. So manch exponierter Einsatz wird bravourös und in voller Harmonie mit dem Orchester gemeistert. "Dank sei dir Gott", der Chor am Schluss des ersten Teils wird zu so einem besonderen Höhepunkt. Ein Fortissimo jubeln alle Stimmen. Der Chor wächst über sich hinaus. Das ganze Ensemble stemmt sich nochmals richtig ins Zeug. Das Prager Sinfonieorchester Bohemia rundet den guten Eindruck perfekt ab, bringt hervorragende Streicher und Bläserpartien, steigert sich nach anfänglichen kleinen Einsatzschwächen zu ganz ausdrucksstarken und einfühlsmen Instrumentalkünstlern.

So beginnt der Abend: Mit tiefen Bläserakkorden, dunklem Moll, dann der vernichtende Prophetenspruch des Elias: 'So wahr der Herr, der Gott Israels lebet, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn.' Dann erst, nach dem Schrecken, und gleichsam von ihm kontaminiert und eingefärbt, beginnt die Ouvertüre. Arie folgt auf Rezitativ und Chor. Dramatisch fein sind die einzelnen Szenen herausgearbeitet. Wie die Auseinandersetzung mit den Baalspriestern. Die machtvolle Anrufung und der achtstimmige Ausruf: "Baal erhöre uns", das ging schon unter die Haut.

Wind, Erdbeben, Feuer

Auch das trostvolle Soloterzett der Engel im zweiten Teil konnte die Innigkeit der Komposition bestens vermitteln. Dann der Chor: Wind brauste, Erdbeben und Feuer dröhnten vom Altarraum ins Kirchenschiff, um dann umso eindringlicher im plötzlichen Pianissimo ein sanftes Sausen zu beschreiben, in dem sich der Herr naht. Zarte Streicherbewegungen untermalten das geheimnisvolle Flüstern des Chors. Sehr gut gemacht, sehr fein ausgefeilt.

Beim prunkvollen Schlusschor "Herr unser Herrscher" packten nochmals alle an, um den Abend zu einem glanzvollen Ende zu bringen. Dieser hervorragende Auftritt eines Meisterstücks wird lange in Erinnerung bleiben. Mit minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen bedankten sich die Besucher im fast ausverkauften Kirchenraum für dieses sensationelle Ereignis.